7 Kommentare zu “Die Lage in den EU – Krisenländern wird unnötig dramatisiert

  1. Sehr schwacher Beitrag. Natürlich ist jeder zweite Arbeits*suchende* arbeitslos. Das ist nicht nur in Spanien so definiert, sondern auch in Deutschland und sonst überall, und gilt auch nicht nur für die Jugendarbeitslosigkeit, sondern allgemein für die Berechnung von Arbeitslosenzahlen. Das ist internationale Konvention.

    Es gibt hier überhaupt nichts zu beschönigen und zu relativieren. Eher im Gegenteil, viele studieren nur deshalb (weiter), weil sie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Hinzu kommt, die ILO-Arbeitslosenstatistik zählt jemanden schon dann nicht mehr als arbeitslos, wenn er nur eine Studne in der Woche arbeitet. Die Situation ist katastrophal.

    Und was das „Verwässern“ der Reformauflagen angeht. Eine Streckung ist dringend geboten. Denn die Härte der „Reformauflagen“ sind maßgeblich mitverantwortlich für die Höhe der Arbeitslosigkeit, und auch dafür, dass das Defizit nicht in den Griff zu bekommen ist. Das sind simple makroökonomische Zusammenhänge. Fragen Sie mal Ihren Bundesvorstand, der sieht das ebenso und wird Ihnen das sicher gern erklären.

  2. Warum so bissig, Frau Mitleserin? Es ist ja wohl doch ein Unterschied, ob der Eindruck erweckt wird, daß jeder 2. spanische Jugendliche arbeitslos ist oder ob davon diejenigen abgezogen werden, die in irgendeiner Form in der Ausbildung sind. Das das keine spanische Besonderheit ist, ist ja wohl klar, sonst hätte ich nicht auf Eurostat hingewiesen. Aber fragen Sie mal rum, wievielen diese Zusammenhänge bekannt sind. Und genau mit solchen Aussagen wird Politik gemacht.
    Daß die makroökonomischen Zusammenhänge wohl doch nicht ganz so simpel sind, zeigt Ihre Argumentation: Sie haben nämlich Ursache und Wirkung genau auf den Kopf gestellt.

  3. Was ist an meinem Kommentar „bissig“, Herr Speckmann? Weil ich ihn als „sehr schwach“ bezeichnet habe?

    Tatsächlich finde ich ihn höchst ärgerlich. Und zwar nicht weil ich etwas gegen die AfD habe, sondern weil ich gern möchte, dass sie in den Bundestag kommt. Aus folgenden Gründen: Die AfD will Sachkompetenz in diesen Fragen demonstrieren. Solche Beiträge wie dieser sind dem nicht förderlich.

    Zum Punkt Arbeitslosenstatistik. Dass sich die Arbeitslosenzahlen auf Arbeitssuchende beziehen und nicht auf die Gesamtbevölkerung, weiss jeder, der die ersten zwei Semester Wirtschaftswissenschaften absolviert hat. Jeder, der sich überhaupt einmal mit Arbeitslosenstatistiken befasst hat, weiß das. Es ist auch völlig selbstverständlich, dass sie nur auf Arbeitssuchende beziehen. Andernfalls müssten man bei den Gesamtarbeitslosenzahlen auch Rentner, Hausfrauen, Erwerbsunfähige etc. etc. in die Basis einbeziehen. Wenn das jemand liest, oder Sie jemandem erzählen, der auch nur im Ansatz eine Ahnung hat, dass dadurch einer „hinters Licht geführt“ wird, als Vertreter einer Partei, die wirtschaftskompetent sein will, der lacht Sie aus.

    Zum Punkt Austeritätspolitik. Ich habe die Zusammenhänge keineswegs auf den Kopf gestellt. Ich weiß sehr wohl, wovon ich rede, denn ich bin selber Ökonomin, ich habe sogar selbst Makroökonomie an der Universität unterrichtet. Die Austeritätspolitik verschärft die Rezession, denn sie schafft Nachfrageausfälle, erhöht die Arbeitslosigkeit und sorgt so für höhere Ausgaben in der Arbeitslosenversicherung und Ausfälle von Steuereinnahmen. Deshalb geht das Defizit nicht zurück, sondern hoch. Das sind die Auswirkungen des sog. Fiskalmultiplikators. Selbst der IWF ist inzwischen zu der Auffassung gekommen, dass die überzogene Sparerei aufhören muss.

    Ihre Vorstände stellen alles Mögliche an, um aus der Populismusecke herauszukommen. In jedem soundsovielten Interview werden von Herrn Starbatty, Herrn Lucke etc. die negativen Auswirkungen der Austeritätspolitik angesprochen. Sie hingegen suggerieren, die Spanier wollen nur nicht genügend sparen und sich aus den Reformauflagen herausstehlen. Sie müssten halt nur feste sparen und dann klappt das schon mit der Krisenüberwindung. Mit Ökonomie hat das nichts zu tun, das ist Populismus in Reinkultur und ganz sicher nicht dazu angetan, die Partei aus dieser Ecke zu holen.

  4. Anmerkung: „Arbeitssuchend“ war missverständlich formuliert von mir. Gemeint sind natürlich diejenigen, die Arbeit suchen oder gefunden haben, also dem Arbeitsmarkt gegenwärtig und aktiv zur Verfügung stehen.

  5. Leider komme ich erst heute dazu, Ihnen zu antworten.

    Wir scheinen uns ja schon mal im Ziel einig zu sein. Allerdings habe ich den Eindruck, dass wir aneinander vorbeireden. Ihre Anmerkungen zu Arbeitslosenstatistik sind ja vollkommen unstrittig.

    Mich stört an der öffentlichen Darstellung in den Nachrichten, Zeitungen etc. vor allem, dass regelmäßig pauschal von „mehr als der Hälfte der spanischen Jugendlichen“ die Rede ist (oder anderer Länder), die arbeitslos seien, und das ist falsch (erst gestern Abend wieder in den ARD Nachrichten). Denn man muss einfach die besondere Situation der Jugendlichen berücksichtigen, womit ich die Härten der definitionsgemäßen Arbeitslosigkeit gar nicht verniedlichen will:

    “In der gesamten EU befinden sich zwei Drittel der Jugendlichen in einer Ausbildung – sei sie betrieblicher oder schulischer Art…..Die Lebenssituation der meisten Jugendlichen wird also von der Ausbildung bestimmt. Anders als bei den Erwachsenen spielt nur für einen kleinen Teil der Arbeitsmarkt im eigentlichen Sinne, also eine Beschäftigung, die nicht mit Bildung verbunden ist, eine zentrale Rolle….Aussagen in der Öffentlichkeit, dass in manchen Ländern die Hälfte der Jugend erwerbslos sei, liegen daher weit ab von der Realität“ ( Dr. Karl Brenke in DIW Wochenbericht 30.2012).

    Das mag wie Definitionspuzzelei erscheinen und ist sicher nur ein Nebenaspekt in der derzeitigen Diskussion über die Finanzkrise. Es ist aber doch einer von vielen Mosaiksteinen, mit denen Politik gemacht wird, wie man an der heutigen Schaufensterveranstaltung zur Jugendarbeitslosigkeit in Berlin sieht. Die wird keine Wirkung haben, denn sie können den Betrieben in den betroffenen Ländern noch so viele Anreize/Geld geben: die werden erst wieder (Jugendliche) einstellen, wenn die Rezession vorbei ist und sie eine positive Perspektive haben.

    Was an dieser Sichtweise „populistisch“ sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.

    Zum Thema „Austeriätspolitik“ bitte ich um Verständnis, wenn ich mir eine andere Meinung leiste, als „meine Vorstände“.

    Was Sie Austeritätspolitik nennen, heißt bei mir Spar- und Restrukturierungsauflagen. Sie zitieren die IWF Äußerungen zu Griechenland, denen im Übrigen von der EU Kommission deutlich widersprochen worden ist, ich zitiere den Generaldirektor der BIZ, der die betroffenen Staaten geradezu beschwört, in ihren Spar- und Restrukturierungsbemühungen nicht nachzulassen, weil es die Geldpolitik alleine nicht richten kann. Dass es funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Litauen, das mit einem Rückgang des BIP von fast 15% und einer Arbeitslosenquote von fast 20% (Jugendarbeitslosigkeit fast 40%) einen dramatischen Absturz erlebt hat. Heute wird nach einem drastischen Sparprogramm für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 3,1 % für 2013 prognostiziert bei einer derzeitigen Arbeitslosigkeit von 12,5%. Ich kann mich nicht erinnern, dass Litauen Finanzhilfe (in diesem Fall vom IWF) bekommen oder dass man irgendwelche Hilferufe wegen Jugendarbeitslosigkeit gehört hat (Zitat Ministerpräsidentin: „Länder, die sich nicht selbst helfen können, sind schwach“).
    Das ist für mich der einzige Weg, wie die europäische Finanzkrise überwunden werden kann, und das hat –bitte sehr- mit Populismus überhaupt nichts zu tun.

  6. Also nochmal zur Klärung. Im Hinblick auf die Arbeitslosenstatistik ist gar nichts gegen den Hinweis einzuwenden, dass sich die Zahlen nicht auf *alle* Jugendlichen beziehen. Sehr wohl etwas einzuwenden hingegen ist gegen die Aussage, die Lage werde damit über Gebühr dramatisiert. Sie müssen schon die anderen „Feinheiten“ der ILO-Definition auch beachten. Insbesondere, dass nach dieser Definition jeder, der auch nur eine Stunde in der Woche arbeitet, selbst dann, wenn diese Arbeit unbezahlt ist, nicht mehr als arbeitslos registriert wird. Im Unterschied zur deutschen Definition, nach der man als Suchender einer Vollzeitstelle knapp die Hälfte der regelmäßigen Wochenarbeitszeit arbeiten darf, ohne aus der Statistik zu fallen. Was das ausmacht, kann man sehen, wenn man die ILO-Zahlen für Deutschland mit den BA-Zahlen für Deutschland vergleicht. Nach der ILO-Definition fallen die Arbeitslosenzahlen für Deutschland regelmäßig um ca. 1 Mio niedriger aus. Wenn überhaupt, dann wird hier durch die Arbeitslosenstatistik unterdramatisiert. Was Sie außerdem völlig ausblenden in Ihrer Argumentation ist der Tatbestand, dass diejenigen, die jetzt in Ausbildung sind, natürlich nicht alle eine Stelle hätten, wenn sie statt zu studieren im Erwerbspersonenpotenzial wären. Das unterstellen Sie aber implizit, wenn Sie statt auf das Erwerbspersonenpotenzial die Arbeitslosenzahlen auf *alle* Jugendlichen beziehen. Wahrscheinlicher ist, dass ein beträchtlicher Prozentsatz der jetzt Studierenden dann auch arbeitslos wären. Wieviele, ist reine Spekulation, deswegen machen solche Berechnungen überhaupt keinen Sinn.

    Vollends absurd ist aber die Aussage, damit solle jemand „hinters Licht geführt werden“. Denn diese Statistik war schon immer, seit Beginn ihrer Existenz, und international auf UN-Ebene so definiert. Zu suggerieren, diese Definition sei erst im Zuge der Eurorise so geschaffen worden, um den armen deutschen Michel hinters Licht zu führen, entbehrt wirklich jeder Grundlage. So eine Aussage offenbart entweder völlige Unkenntnis über die Arbeitslosenstatistik, mit der Sie sich bei jedem, der sich auch nur ansatzweise damit auseinandergesetzt hat, zum Narren machen – oder aber, wenn es wider besseres Wissens geschieht, ist es mit „Populismus“ noch freundlich umschrieben, denn so etwas ginge mE schon eher in Richtung Demagogie.

    Was die Austeritätspolitik angeht, steht die EU-Kommission mit ihrer Auffassung ziemlich alleine da. Der IMF ist nun nicht gerade für Zimperlichkeit in Sachen Austeritätspolitik bekannt. Man muss aber eben irgendwann einmal konstatieren, dass die Prognosen mit dem Multiplikator 0,5 in der Eurokrise bisher immer daneben gelegen sind. Siehe hier:
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/15/planwirtschaft-gescheitert-die-falsch-prognosen-der-troika/

    Und das ist nur das Beispiel Griechenland. Die Prognosen für Portugal, Spanien etc. sehen nicht wesentlich besser aus, und das, obwohl Portugal die Sparauflagen sogar übererfüllt hat. Die Anpassung des Multiplikators war längst überfällig, weil er sich einfach als empirisch falsch erwiesen hat. Wenn die Prognosen ständig derart daneben liegen, dann muss man als Wissenschaftler reagieren, andernfalls betreibt man keine Wissenschaft, sondern Religion. Das Beispiel Litauen ist doch überhaupt nicht vergleichbar; da ging es um einen iAbwertungsbedarf von ca. 10 Prozent. In Südeuropa ist von Abwertungsbedarfen von 30 bis 50 Prozent die Rede. Deshalb sind doch ihre Parteispitzen zusammen mit Herrn Sinn der Meinung, dass das innerhalb der Eurozone nicht realisierbar ist.

  7. Ich habe ehrlich gesagt etwas Besseres vor, als mich von Ihnen aus der Anonymität heraus beschimpfen zu lassen. Am besten diskutieren Sie mit sich selber.

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