Ein Kommentar zu “Die Eurokrise isoliert Deutschland

  1. Es wundert mich nicht, dass Deutschland zum Buhmann #1 mutiert ist. Neben Neid und Mißgunst können noch ganz andere Faktoren eine Rolle spielen. Kennt jemand das Büchlein von Dan Ariely, israelisch-amerikanischer Verhaltensökonom: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“? Er bietet eine gute Erklärung.

    Zunächst einmal unterscheidet er zwischen der sozialen und der ökonomischen Sphäre. Ein Beispiel: ein Freund bittet uns, ihm beim Umzug zu helfen. Wir tun das gerne, und sogar kostenlos. Eben weil es ein Freund ist. Obwohl es 5 Stunden dauert und mühsam ist.

    Würde mir aber dieser Freund 3€ pro Stunde anbieten, dann würde ich es entrüstet zurückweisen. Warum? Mit dem Geldgebot wechselt mein Freund die Beziehungsebene; meine Tätigkeit wechselt vom sozialen in den ökonomischen Bereich. Dort angekommen würde ich sogar meinen Stundenlohn mit dem eines Möbelpackers vergleichen. Wenn der sagen wir 8€ die Stunde bekäme, würde ich entrüstet mich abwenden….ich arbeite doch nicht für’n Appel und ’n Ei.

    So stelle ich mir das auch zwischen Staaten vor. Solange unsere Beziehung auf gemeinsamen Werten beruht, also angesiedelt in der „sozialen“ Sphäre im Sinne von Dan Ariely, solange also können wir Freunde sein. Sobald wir aber in die rein ökonomische Sphäre wechseln, verwandeln sich die ehemaligen Freunde der EU zu reinen Marktpartnern, die – ganz homo oeconomicus – das beste (meiste) für sich rausschlagen wollen.

    Wie Prof. Sinn einmal sinngemäß sagte: Wenn aus guten Nachbarn Gläubiger und Schuldner werden, ist es mit dem Frieden schnell vorbei.

    Tatsächlich bedeutet Währungsunion, Sparpakete, Troika, Fiskalpakt: Jeder redet jedem rein. Statt die Länder friedlich autonom arbeiten zu lassen – und ihnen eine Währung zu geben, die sie notfalls abwerten können – hat man alle in die ökonomische Zwangsjacke des Euro gepreßt, wo sie nicht eigenverantwortlich abwerten, sondern Spardiktate bekommen. So nötig sie auch sind: sie zerstören die Freundschaft.

    Es ist im zwischenstaatlichen Handeln nötig, die ökonomische Ebene und die soziale (Werteebene) nicht zu vermengen. Manchmal mag es sich nicht ganz vermeiden lassen, aber der Euro war definitiv des Schlechten zuviel.

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